Hattest Du jemals so starke Atemnot, dass Du in Panik geraten bist?

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Wie heißt es so schön:

Beim ersten Mal tat’s noch weh, beim zweiten Mal nicht mehr so sehr…

Toller Spruch… Nur auf Atemnot trifft er irgendwie nicht so richtig zu. Ich dachte jedes Mal, dass ich sterben müsste. Mit der Zeit lernte ich jedoch, meine Panik halbwegs in den Griff zu bekommen.

Nein, hier braucht niemand Mitleid mit mir zu haben oder mich gar bedauern. An meiner Atemnot war ich gewissermaßen selbst schuld. Ich nahm sie nicht nur billigend in Kauf, sondern ließ mich gerade heraus auf sie ein. Man könnte fast sagen: ich wollte das so 🙂

Wie war es überhaupt dazu gekommen?

Es war einer dieser Tage, an denen ich mich schwertat meinen Schlaf zu finden. Ich war einfach zu aufgewühlt. Tausende Gedanken rasten durch meinen Kopf und versetzten mich in Entzücken. Irgendwann fand ich dann doch den Weg in das Reich der Träume.

Irgendwann hörte ich eine Stimme im Traum sagen: „Lars Du stirbst!“. Es war eine ernste Stimme. Erst wollte ich ihr kein Gehör schenken. Allerdings hatte ich ein beklemmendes Gefühl. Es war so, als würde mich etwas zuschnüren.

„Lars Du stirbst!“

Der Traum wurde unerträglich. Ich schreckte auf, wurde wach und richtete meinen Oberkörper im Bett auf.

„Luuuuuuuuff….. Wo ist die Luft?“ raste es durch meine Gedanken.

Ich hielt die Hand auf meinen Brustkorb. Irgendetwas stimmte nicht. Ich bekam keine Luft. Adrenalin schoss durch meinen Körper. Ich war nicht nur wach, sondern derart hellwach, als hätte ich 3 Kannen Kaffee getrunken.

„Ojejejejejeje… was tun?“

Wie ein Mechaniker legte ich die Hand auf meinen Brustkorb. Er bewegte sich nicht. „Ok…. jetzt volle Konzentration… langsaaaaaam einatmen“. Irgendwie gings und der Brustkorb bzw. mein Zwerchfell tat wieder das, was es tun sollte: Atmen und für Sauerstoff im Körper sorgen.

„Puuuh, nochmal gut gegangen. Vor ein paar Wochen war es viel schlimmer!

Mein Adrenalinspiegel ging wieder runter. Ich atmete normal und bekam wieder etwas von meiner Umgebung mit. Ich lag mit 10 weiteren Leuten in einem Schlafsaal. Man hätte fast meinen können, ich wäre auf der „Endstation“ gewesen.

Um mich herum atmeten alle ziemlich flach und schnell. Da brauchte man nix zu beobachten. Das Röcheln war nicht zu überhören. Schon irgendwie schräg. Mit 35 Jahren war ich der älteste im Saal. Hinzu kam, dass alle anderen mindestens so fit wie ich waren

Nach ein paar Minuten hatte ich mich wieder beruhigt und schlief wieder ein. Die Atemnot riss mich ein paar weitere Male aus dem Schlaf. Tief einatmen rettete mich jedes Mal wieder. Ich machte mir keine großen Gedanken, denn schon in ein paar Stunden stand ein wahnsinniges Erlebnis auf der Tagesordnung.

Huanya Potosi wollte von mir bestiegen werden. Ein wirklich anmutiger Berg. Schon beim ersten Anblick hatte ich Tränen in den Augen, so verliebt war ich. Da nimmt man ein wenig Atemnot im auf 5.175 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Basislager schonmal in Kauf.

Ich war ja schlimmeres gewohnt….

Denn vor ein paar Wochen hatte ich erstmalig wirklich Angst um mein Leben. Ich bekam es erstmalig in meinem Leben fast mit der Panik zu tun. Es war so schlimm, dass ich am liebsten meinen Körper verlassen hätte.

Ja… so schlimm kann Atemnot sein.

Als ich das erste Mal zu ersticken drohte, wusste ich nicht wirklich, auf was ich mich eingelassen hatte. Ich wollte mir eine ehemalige Silbermine in Potosi anschauen. Die waren immer noch in Betrieb, auch wenn dort mittlerweile nur noch Zinn herausgeholt wird.

Der Lonely Planet beschrieb das ganze als einmaliges und intensives Erlebnis. Nun… im Lonely Planet wird vieles hochgelobt. Die Besichtigung der Minen stellte sich letztlich doch als eines meiner abgefahrenen Abenteuer heraus.

Bevor es in die Mine ging bekamen erst einmal alle einen klitze kleines Bisschen Miner-Schnaps zum Trinken. Ging erstaunlich gut runter, obwohl das Zeug einen Alkoholanteil von 90% hatte. Das sollte uns alle ein wenig beruhigen. Danach bekamen wir alle eine Ladung Coca-Blätter, damit wir auch alle gut Luft bekommen.

Fing alles ganz gut an. Die Stimmung war prächtig und wir ließen uns von den Arbeitern in die Mine führen. Sie erklärten uns alles und führten uns durch die Schächte. Die waren zwar nur knapp 1,50 m hoch. Daran störte sich jedoch niemand.

Ein bisschen komisch wurde es erst, als wir in ein ca. 1 x 2m schwarzes Loch absteigen sollte. Man sah wirklich nichts und musst darauf vertrauen, dass die im Loch befindlichen Arbeiter den eigenen Fuß zu greifen bekommen und ihn in kleine Ausbuchtung in der Lehmwand gesteckt bekommen.

Nun… ich war voller Vertrauen. Das Mädchen hinter mir leider nicht. Sie stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Einer der Minenarbeiter begriff das sofort und kümmerte sich um sie wie ein liebevoller Bruder.

Eigentlich hätte mir dieser Vorfall eine Warnung sein müssen. Bedingt durch die dünne Luft dachte sich mein Hirn wohl nix dabei bzw. es war dazu gar nicht mehr in der Lage.

So ging es dann munter weiter durch die Mine. Die Arbeiter fragten uns, ob wir eine Abkürzung nehmen wollen. Es gab da wohl einen Abraumschacht, durch den wir rutschen könnten. Ich hatte erst keine Meinung. Der Amerikaner vor mir indes schon.

Er fands cool, sprang in das enge Loch und rutsche durch. Unten standen weitere Arbeiter die seine Landung in der Loire lecht abbremsten. Sah alles sehr geschmeidig und harmlos aus. Mach ich auch…!

Also zwei Schritt nach vorn… Augen zu und durch!

Hmmm…. warum geht’s denn nicht weiter? Mein Kopf schaut noch gerade so heraus. Der Rest steckt im Loch fest. Lag gar nicht mal an meinem Körperbau, sondern an dem schlammigen Schotter drum herum, der wohl etwas nachgerutscht war.

Zu meinem eigenen Erstaunen blieb ich absolut ruhig. Ich strampelte ein wenig, um so den um mich herum befindlichen Abraum zum Rutsch zu bekommen. Ging erstaunlich gut.

Mission accomplished… weiter gehts.

Eigentlich hätte hier Schluss mit Abenteuer sein müssen. Aber… bisher ging alles gut und machte ja auch irgendwie Spaß. Die Minenarbeiter entdeckten das Leuchten in den Augen des Amerikaners und mir.

„Wollt ihr eine Probebohrung mit ansehen? Das ist ein absolutes Hightlight!“

„Warum nicht?“ dachte ich mir. Hatte als Geschenk für die Minenarbeiter eh ein paar Stangen Dynamit, Zündschnur und Zünder gekauft (ja, in Bolovien geht das). So konnte ich mir dann gleich ansehen, wie die Löcher für die Sprengung gebohrt werden.

Ganz unbedenklich war das Unterfangen jedoch nicht. So eine Bohrung staubt wahnsinnig. Und… die Mine war voller Asbestfasern und anderen Scheiß. All das wollte niemand in seiner Lunge haben.

Eine Lösung war schnell parat. „Lars es ist warm genug. Zieh Dein rotes T-Shirt aus und binde es die vors Gesicht. Das schützt Dich. Der Staub ist hier ziemlich dick“. Gesagt getan.

Wir wurde in eine winzige kleine Grube geführt, für die wir ein wenig den Abraum hochklettern mussten. Es war ziemlich anstrengend. Ja… so anstrengend, dass ich Sterne vor Augen zu sehen bekam. Das war gar nicht gut.

Es wurde immer schlimmer. Ich hatte keinerlei Kraft mehr und ich bekam plötzlich keine Luft mehr. Ich atmete so stark ich nur konnte und wollte die Luft förmlich in meine Lungen pressen. Es gelang mir nicht. Nicht gut…..

Die Welt um mich herum veränderte sich. Die Grube war eh schon verdammt eng. Nun fühlte es sich so an, als würden die Wände auf mich zukommen, so als wäre ich in meinem eigenen Grab gefangen.

Hinter mir… totale Finsternis. Hitzeschauer durchströmten meinen Körper. In meinem Hirn völlige Leere. Mein Großhirn arbeitete nicht mehr. Das Stammhirn funkt: „Panik!!!“.

„Ich muss hier raus! Ich muss hier weg!“ Für die Frage nach dem „Wie“…. kein Platz. Alles um mich herum verlor an Bedeutung. Ich war in einem großen Schwarzen Nichts, das keine Grenzen hatte und aus dem es kein Entrinnen gab.

Ich hatte keine Kraft für einen Befreiungsschlag. Ich war in meinem Körper gefangen. Am liebsten hätte ich ihn aufgerissen und wäre aus meiner Hülle geflohen. All das… nicht möglich. All das nahm einfach keine Ende. Mir war so als würde das für immer so unterträglich bleiben. Ich verlor schon fast meine letzten Sinne, als es auf einmal aus dem Off funkte:

„Du hast keine Zeit mehr. HANDLE JETZT!“

Für einen kurzen Moment war mein Hirn wieder aktiv. Mein Mund brabbelte: „Ich bekomme keine Luft mehr“.

Glücklicherweise hörte der Amerikaner vor mir meine Worte. Er drehte sich um, schaute mich an und sagt: „Du kannst das T-Shirt herunternehmen. Er bohrt ja noch nicht. Bisher keinerlei Staub.“

Mein Blick muss wohl komplett leer gewesen sein. Er zog am unteren Zipfels meines Shirts.

Wuuuuuuuuuuusch…….

Luft strömte in meinen Körper. Ich lebte und bekam von meinem Leben auch wieder etwas mit. Nochmal gut gegangen. Jetzt hatte ich einen Eindruck davon, wie es dem Mädchen mit dem Beinahe-Nerverzusammenbruch wohl gegangen sein muss.

Das Gute an der Erfahrung:

Das war bisher mit Abstand meine grenzwertigste Erfahrung. Ihr habe ich es zu verdanken, dass ich in all den anderen (nicht ganz so schlimmen) Gefahrensituationen ruhig blieb und besonnen handeln konnte.

P.S.

Kurz vor der Bohrung habe einige tiefe Atemzüge genommen, meinen Staubschutz aufgesetzt und ein Beweisfoto gemacht.

P.P.S.

So sah es in den Schächten aus….

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