Wann hast Du festegstellt, dass Du im Grunde Deines Herzens ein Hippie bist?

Wenn Sie hier anfangen zu arbeiten, sehen sie die Sonne so schnell nicht wieder!

Zitat eines ehemaligen Chefs

Das war mal ’ne Ansage. So hatte ich mir den Wiedereinstieg ins Berufsleben nicht vorgestellt. Mal abgesehen davon, dass der übliche Small Talk übers Wetter sonst irgendwie anders lief.

Was soll’s… meinen Arbeitsvertrag hatte ich gerade unterschrieben. Die Tinte, noch am Trocknen… Eigentlich überraschte mich der Spruch meines neuen Chefs nicht wirklich. Denn letztlich war er nur der Gipfel dessen, was ich die vorigen Monate über erlebt hatte.

Nein… das wird hier kein Drama, ganz im Gegenteil. Mir strahlte die Sonne aus dem Herzen. Ich war voller Lebensfreude und einer Energie, wie ich sie vorher nicht kannte. Meine einjährige Reise durch Südamerika hat nicht nur meine Akkus wieder aufgeladen, sondern mich das Leben in einer nicht gekannten Intensität erleben lassen.

Ich liebte die Welt. Und die Welt… ja die liebte mich auch. Allerdings konnte sie mir das nicht überall so deutlich zeigen. Vor allem in Bewerbungsgesprächen war es mitunter schwierig. Ich versuchte es gelassen zu nehmen. Das war manchmal gar nicht so einfach. Denn ab und an musste ich mich vor schallendem Gelächter bewahren.

Mir war durchaus bewusst, dass Bewerbungsgespräche eine ernste Angelegenheit sind. Da muss man nicht herumwitzeln. Aber… man muss auch nicht total verhärmt aussehen und dreinschauen, so als gäbe es gar nichts schönes im Leben. Nun, genau solche Leute bekam ich jedoch zu Hauf zu sehen. Und das komische daran… all das war mir nur all zu sehr vertraut.

Früher… also vor meiner Auszeit war ich auch einer der Personen, die zum Lachen in den Keller ging. Schnell noch Licht ausschalten, dann konnte es losgehen mit der Offenbarung der eigenen Lebensfreude. Sieht ja zum Glück keiner.

Klar, ich übertreibe hier ein wenig. Allerdings entspricht dies genau dem Bild, das andere Nationen von den Deutschen haben. Ein teutonisch ausgesprochenes „STRENGSTENS VERBOTEN!“ ist quasi die akustische Verkörperung der deutschen Lebensfreude (SATIRE).

Und genau mit dieser wurde ich nun wieder konfrontiert. Ich wollte auch wieder ernst wirken. Sachlich, präzise und exakt auf den Punkt zu kommunizieren, das konnte ich wie wie eh und je. Allerdings hatte dies und mein durchaus akkurater Business-Look nicht verhindern können, dass ich auf mein Umfeld wie ein bunter Hund wirkte.

Anfangs dachte ich noch, dass ich zu viel Lebensfreude ausstrahle. Gedanklich bin ich daher in den Keller gegangen und habe das Licht herunter gedimmt. So gut es mir möglich war, hielt ich meine Begeisterung zurück. Äußerlich war ich von meinem Umfeld kaum noch zu unterscheiden. Die Tarnung saß… dachte ich.

Verkannt hatte ich dabei völlig, dass es in meinem Inneren komplett anders aussah. Denn da war ich nach deutschen Maßstäben wohl so etwas wie ein Hippie. Einer, der das Leben liebt und irgendwie komisch ist. Komisch im Sinne von nicht greifbar. Anders eben, ein bisschen merkwürdig und damit wohl auch suspekt.

Tja, was soll ich sagen…? Eine Jobzusage ließ trotz dutzender Gespräche sehr lange auf sich warten. Zwischenzeitlich hätte ich am liebsten einen Baum umarmt. Soll ja helfen und wäre auch nicht so viel ungewöhnlicher gewesen, als zitronig schmeckende Termiten von einem Baum im Amazonas zu lecken…

Ein Headhunter war letztlich meine Rettung. Vermutlich hatte er auch mal wilde Zeiten erlebt. Er gab mir einen Tipp, wie ich meine Tarnung noch ein wenig verbessern könne, um wieder richtig deutsch zu wirken. Schwups hatte ich den nächsten Job.

Den inneren Hippie jedoch… den habe ich mir bewahrt 🙂

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