Warum benutzen professionelle Fotografen den manuellen Modus statt ausgeklügelter Automatiken?

Nun… es gibt durchaus Situationen, in denen der manuelle Modus deutlich schneller ist und/oder wesentlich bessere Ergebnisse liefert. Für viele Anwendungsfälle ist es in der Tat so, dass die Automatiken der heutigen Kameras sehr gut funktionieren und tolle Ergebnisse liefern. Und genau für diese Fälle wird selbst ein „Profi“ auf die Automatik zurückgreifen.

Aber… es gibt natürlich auch Fälle, in denen die Automatik nicht das gewünschte Ergebnis liefert.

Grund 1: HDR Aufnahmen

Bei HDR Aufnahmen handelt es sich im Prinzip um ein Foto, das aus einer Belichtungsreihe zusammengesetzt wird. Allerdings kann keine Automatik der Welt die Gedanken eines Menschen lesen. Will man eine expressionistisch / surreale Aufnahme, etwas sehr real wirkendes oder etwas dazwischen…?

Die drei folgenden Bilder sind HDR Aufnahmen.

Warum nimmt man dafür besser den manuellen Modus und nicht etwa eine Automatik?

Die Automatik weiß a) nicht was man will und b) hat technische Mängel. Bei HDR ist es wichtig, immer mit der gleichen Blendenöffnung zu arbeiten. Hinzu kommt, dass bei windiger Umgebung, kurze Verschlusszeiten und evtl. hohe ISO-Werte eingestellt werden müssen. Woher soll die Kamera wissen, dass es gerade windig ist?

Grund 2: Weil Schwarz nicht immer schwarz ist und es DAS Weiß nicht gibt

Jeder Belichtungsmesser (und sei er noch so ausgeklügelt) kann niemals feststellen, welche Bereiche im Bild wirklich schwarz sind. Eine Kamera kann nur das reflektierte Licht messen und mittels intelligenter Algorithmen die Messergebnisse halbwegs genau interpretieren. Je nach Lichtumgebung kann die Kamera auch mal total daneben liegen.

Aus diesem Grund verwenden Profis gern Belichtungsmesser. Denn diese messen, welches Licht auf das zu fotografierende Objekt einstrahlt. Damit kann der Schwarzpunkt exakt definiert werden. Zudem werden Farbmesskarten verwendet, um den Weißpunkt und Farben exakt erfassen zu können.

Eine Automatik interpretiert das Bild anhand von Durchschnittswerten oder über antrainierte KI-Algorithmen. Damit kann in der Regel ein halbwegs akkurater Weißpunkt gefunden werden. Allerdings weiß die Kamera nicht, welche Farben im Spektrum der Lichtquelle fehlen und welche Farben im Bild vorhanden sind.

Das Auge eines Profis ist hier mitunter wesentlich besser. Aber selbst wenn es das nicht ist, weiß der Fotograf zumindest, was er abbilden will. Wenn er das mit einer Automatik nicht hinbekommt, muss er eben manuell eingreifen.

Grund 3: Keine Automatik kann in die Zukunft schauen

Der Einsatz einer jeden Automatik bedeutet IMMER eine Zeitverzögerung. Belichtungsmesser sind extrem schnell. Aber selbst ein richtig schneller Autofokus liegt schon im 1/10 Sekunden Bereich. Es gibt durchaus Szenarien, für die 1/10 Sekunde fast schon eine Ewigkeit darstellt.

Frag einen Streetphotographer und Du wirst erstaunt sein.

Bei der Streetphotography (wenn Menschen aus nächster Nähe fotografiert werden) geht es um die Magie des Moments. Man sieht etwas und will es sofort im Kasten haben. Ein erstaunter Blick oder spontane Begeisterung hat nur für einen sehr kurzen Moment seine maximale und unverkennbare Wirkung.

Ein solches Bild gelingt nur dann, wenn man an der Kamera vorher alles einstellt und dann nur noch abzudrücken braucht.

Grund 4: Woher soll die Kamera Deine Stimmungslage kennen?

Eine Kameraautomatik ist in der Regel darauf ausgelegt, eine ausgewogene Belichtung zu gewährleisten. Es gibt aber viele Fälle, in denen man das nicht will. Der schlichte Grund: man fühlt sich gerade anders.

Durch gezielte Über- und Unterbelichtung bekommt so manches Foto erst seine Magie. Es ist ein prima Stilmittel, um selbst in ein nüchternes Foto eine ganz besondere Stimmung hineinzubekommen.

Überbelichtung

Unterbelichtung

Bei solchen Bildern helfen Automatik-Programme für High & Low Key Aufnahmen nicht wirklich. Denn es kommt darauf an, was man durch den Eingriff in die Belichtung bewusst ausblenden und noch sichtbar haben will. Das ist mitunter ein sehr schmaler und vor allem subjektiver Grat.

Solche Bilder werden ja gerade deswegen als Kunst empfunden, weil sie aus dem Einerlei bzw. dem „Standard“ herausstechen und vor allem das abbilden, was der Fotograf und nicht etwa irgendein Algorithmus zu sehen meinte.

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