Was ist Gaslighting?

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Gaslighting ist eine besonders schlimme Art der Manipulation. Sie fällt in den Bereich des psychischen Missbrauchs. Beim Gaslighting wird das Opfer solange verunsichert und verwirrt, bis es die eigene Wahrnehmung und Gefühle infrage stellt.

Sobald das Opfer seiner eigenen Realität nicht mehr traut, hat der Gaslighter sein Ziel erreicht. Er kann dem Opfer dann nahezu widerstandslos seinen eigenen Willen und Glauben aufdrücken.

Wer jetzt an Gehirnwäsche denkt, liegt genau richtig. Denn durch Einsatz von Gaslighting können Menschen tatsächlich umgedreht werden. Glücklicherweise funktioniert das Ganze nicht auf Knopfdruck und auch nicht bei jedem.

Die Grundvoraussetzungen sind:

  • enges Vertrauensverhältnis zwischen Gaslighter und Opfer
  • Anwendung über einen längeren Zeitraum
  • beeinträchtigtes bzw. niedriges Selbstwertgefühl des Opfers
  • Neigung des Opfers, andere zu idealisieren
  • ein Täter, der sich für solch ein übles Spiel nicht zu schade ist

Wie funktioniert Gaslighting?

Es gibt viele Möglichkeiten, jemanden zu verwirren. Die einfachste davon ist, Gegenstände des Opfers einfach an eine andere Stelle zu legen. Anfangs sorgt das nur für Verwunderung. Passiert das jedoch häufiger, kommen Zweifel auf.

Schlimm wird es, wenn das Opfer sicher zu wissen meint, wo sich ein Gegenstand befindet, vom Gaslighter jedoch einen anderen Ort genannt bekommt und damit auch noch recht hat. Nach mehreren Wiederholungen kommen beim Opfer erste Zweifel auf, ob es nicht vielleicht ein bisschen gaga ist.

Zugegeben, dieses Beispiel fällt noch in den Bereich eines Streichs. Das Opfer müsste sich nur notieren, wo es Gegenstände hingelegt hat und schon wäre der Spuk beendet. Die Funktionsweise dürfte nun jedoch halbwegs klar sein. Kommen wir nun zu den Fällen von Gaslighting wie tatsächlich auch im Alltag zu finden sind.

Beispiele für Gaslighting

Um es nochmals deutlich auszusprechen. Gaslighting ist im Prinzip nichts anderes, als jemanden durch immer wieder erfolgende kleine Stiche fertig zu machen. Ein einzelner Stich piekst nur ein wenig. In Summe reichen die Stiche jedoch aus, um das Selbstwertgefühl des Opfers zu zerstören.

Ausübung ständiger Kritik

Wer ständig für jede Kleinigkeit kritisiert wird, hat irgendwann den Eindruck, gar nichts richtig zu machen. Anfangs wird man noch versucht sein, sich zu verbessern, wenn es dann jedoch wieder Kritik hagelt, wirkt diese früher oder später zermürbend.

Für alles die Schuld zugewiesen bekommen

Gaslighter verdrehen mitunter die Geschehnisse derart geschickt, dass das Opfer am Ende als der Schuldige dasteht. Werden Fakten dagegen gehalten, versucht der Gaslighter mit einem Sturm an Gegenfragen sein Opfer in die Defensive zu drängen.

Die Fragen sind mitunter aberwitzig und haben mit dem eigentlich Thema gar nichts zu tun. Wer das Spiel im Eifer des Gefechts nicht durchschaut, wird mindestens verblüfft bis handlungsunfähig sein. Denn wer darauf einsteigt und sich in dieses Spiel verwickeln lässt, hat zumindest für den Moment verloren.

Eine weitere Möglichkeit des Gaslighters die Schuld auf sein Opfer abzuwälzen besteht darin, dass er als der eigentliche Täter die Opferrolle einnimmt. Klingt schräg und ist es auch.

Er wird einfach behaupten, dass er gar nicht anders handeln konnte, weil ihm das Opfer ja schließlich keine andere Wahl gelassen hat. Auch in solchen Momenten fällt manch einem Opfer vor Verwirrung die Kinnlade herunter.

Dreiste Lügen und Falschdarstellungen

Noch eine Stufe schlimmer ist es, wenn Dinge nicht einfach nur verdreht werden, sondern dreist, offensichtlich und massenhaft gelogen wird. Normalerweise will eine Lüge gut überlegt sein.

Denn wird man dabei ertappt, verliert man seine Glaubwürdigkeit. Daher lügen die wenigsten offensichtlich und flüchten sich lieber in Halbwahrheit oder weichen kritischen Themen einfach aus.

Nicht so beim Gaslighter. Für ihn sind dreiste Lügen ein Mittel, sein Opfer massiv zu verunsichern. Ertappt man ihm beim Lügen, wird er behaupten entweder falsch verstanden worden zu sein oder den Realitätssinn des Opfers einfach anzweifeln.

So unglaublich es klingt, aber der Gaslighter wird nicht davor zurückschrecken vergangene Geschehnisse, bei den das Opfer dabei war, komplett anders darzustellen. Je öfter er zu solchen Mitteln greift, desto verwirrter wird das Opfer sein.

Ist das Vertrauensverhältnis zwischen Täter und Opfer besonders groß oder das Opfer gesundheitlich oder emotional angeschlagen, entwickeln sich aus der anfänglichen Verwirrung schnell Selbstzweifel. Die Abwärtsspirale nimmt ihren Lauf.

Noch schlimmer ist es, wenn ein Gaslighter Unwahrheiten über sein Opfer in dessen Umfeld streut. Das nennt sich dann auch Schmnutzkampagne. Das Opfer kommt von all dem meist erst dann etwas mit, wenn es schon zu spät ist.

Da das Umfeld bereits die Falschdarstellungen bzw. Lügen des Gaslighters glaubt, wird man der Darstellung des Opfers kaum Glauben schenken. Wurde eine Lüge lange genug wiederholt und verbreitet, sind quasi Fakten geschaffen wurden. Das Opfer wird das nur schwerlich wieder gerade rücken können und zweifelt mitunter massiv an der eigenen Sicht der Dinge.

Die Wahrnehmung und das Empfinden des Opfer direkt anzweifeln

In diesem Bereich versucht der Gaslighter einem genau das Gegenteil dessen einzureden, was man selber für wahr hält. Typische hierfür sind die folgenden Sätze:

  • Sei froh, dass ich zu Dir halte. Alle anderen sind gegen Dich.
  • Mit Dir stimmt etwas nicht, Du solltest zum Psychater gehen.
  • Deine Erinnerung spielt Dir mal wieder einen Streich.
  • Du bist aber mal wieder empfindlich.
  • Bei Dir braucht man immer eine unendliche Geduld.
  • Natürlich habe ich das gesagt. Du hast es nur wieder vergessen.
  • Das bildest Du Dir nur ein.

Wer sind die typischen Gaslighter und warum machen sie das?

Für die Anwendung von Gaslighting braucht es schon eine gehörige Portion Empathielosigkeit und Skrupellosigkeit. Anders ist es wohl kaum möglich, jemanden mit solchen Perfiden Methoden bis zum inneren Zerfall zu manipulieren.

Von Gaslighting ist insbesondere im Bereich Narzissmus oft die Rede. Menschen mit einem hohem narzisstischen Inventar setzten Gaslighting oft unbewusst ein. Für sie ist es eine Strategie zur Verdrängung der eigenen Schuld. Diese können sie sich von Natur aus nicht eingestehen.

Krankhafte Narzissten haben ein extrem niedriges Selbstwertgefühl, das sie im Grunde genommen nicht ertragen können. Sie fühlen sich ein wenig besser, wenn es anderen noch schlechter als ihnen selbst geht. Notfalls sorgen sie durch Abwertungen und Manipulationen dafür, besser als andere dazustehen.

Von Psychopathen wird Gaslighting indes bewusst eingesetzt, um ihre Ziele zu erreichen. Das soll jetzt nicht heißen, dass jeder Psychopath Gaslighting ausübt. Durch fehlende Empathie und fehlende Skrupel ist es für sie jedoch relativ einfach, zu einer solchen Manipulationsmethode zu greifen.

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