Was kann man machen, wenn ein Mitarbeiter direkt nach Ablauf der Probezeit seinen Chef nicht mehr akzeptiert?

Eigentlich sollte so etwas nach der Probezeit nicht mehr passieren. Schließlich haben beide Seiten i.d.R. ein halbes Jahr Zeit gehabt, sich kennenzulernen. Für mich ist es schwer vorstellbar, dass ein Mitarbeiter sich direkt nach der Probezeit auf einmal von einer ganz anderen Seite zeigt.

Ich könnte es noch verstehen, wenn er ein Mitarbeiter seine Arbeitsleistung etwas zurückfallen lässt. Aber… warum sollte er unangenehm werden?

Dafür müsste es doch eigentlich Gründe geben. Möglich ist, dass es nie wirklich Sympathie gegeben hat und der Mitarbeiter ein erstklassiger Schauspieler ist und auf den Job wirklich angewiesen ist. Sonst hätte er sich wahrscheinlich etwas besseres gesucht. Ein anderer Grund könnte sein, dass etwas vorgefallen ist, das die Stimmung des Mitarbeiters total verhagelt hat.

Zurück zur Frage: Wie sollte ein Vorgesetzter damit umgehen?

Nun… Zunächst einmal sollte der Vorgesetzte sich eingestehen, dass er mit seiner Personalwahl daneben gelegen hat. Er trägt in gewisser Weise eine Mitschuld. Klar kann er sich von dieser „frei machen“ und allein den Mitarbeiter für die Situation verantwortlich machen. Ist ganz klar der einfachere Weg.

Aber… ist es auch der bessere Weg?

Ich persönlich halte nichts von Abmahnungen und habe in meiner Laufbahn nie Gebrauch davon machen müssen. Meiner Meinung nach ist das ein Werkzeug, das man wirklich nur im äußersten Fall einsetzt und möglicherweise gebraucht, um sich zu schützen. Dieser Schutz ist immer dann erforderlich, wenn ein Mitarbeiter ins Kriminelle abrutscht oder aber gegen wichtige Arbeitsschutzmaßnahmen verstößt.

Aus meiner Sicht ist eine Abmahnung die Vorstufe zur Kündigung. Wenn diese Route erst einmal eingeschlagen wurde, ist es aus meinen Beobachtungen heraus nur eine Frage der Zeit, bis der Mitarbeiter das Unternehmen verlässt.

Seinen „Problemfall“ hätte der Vorgesetzte damit entsorgt. Allerdings sollte ihm beim Griff zu so einer Maßnahme auch bewusst sein, dass er damit ein Signal an sein ganzes Team sendet. Die Frage ist halt auch: Will man das?

Wenn man gute und von Jedermann nachvollziehbare Gründe hat, kann man sich von einem Mitarbeiter trennen. Vor allem, wenn der Mitarbeiter nachweislich kriminell / vorsätzlich bösartig gehandelt hat, bleibt einem wahrscheinlich nichts anderes übrig.

In allen anderen Fällen sorgt eine Abmahnung bis hin zur Kündigung mitunter für sehr viel Unruhe im Team. Selbst wenn alle Maßnahmen im vertraulichen Rahmen besprochen werden, bekommt das Team früher oder später Wind davon. Es kursieren dann schnell Halbwahrheiten. Ebenso möglich ist, dass vereinzelte Mitarbeiter auch mal in ihrer Arbeitsleistung zurückfallen (durch Krankheit, private Probleme usw.) und damit Angst um ihre Zukunft haben.

Welche Alternativen gibt es zu harten Maßnahmen?

Es kommt manchmal durchaus vor, dass Menschen einfach am falschen Platz oder falsch eingesetzt werden. In größeren Firmen werden solche Probleme oftmals durch Versetzungen gelöst. Damit kann jeder sein Gesicht wahren. Der betroffene Mitarbeiter wirds mitunter danken, wenn er nur mit dem Chef ein Problem hatte, die Firma inkl. der Kollegen jedoch super findet.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, als Vorgesetzter seine Anforderungen deutlicher zu artikulieren und nach Möglichkeit schriftlich festzuhalten. Man hat dann quasi einen gemeinsamen / abgestimmter Fahrplan. Die Erwartungen werden damit „versachlicht“. Mit ein wenig Glück sind dem Problem damit die Emotionen genommen.

Man kann eigentlich nur hoffen, dass dieser Weg funktioniert und die beiden Parteien wieder Vertrauen zueinander finden. Und sei es nur, dass der Mitarbeiter lernt, sich bei Problemen seinem Chef gegenüber etwas zu öffnen. Je nach Reifegrad muss vielleicht auch der Chef noch lernen, seinen Mitarbeitern tatsächlich zuzuhören und sie ernst zu nehmen.

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