Welche Fritten sind die besten der Welt?

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Pommes mochte ich schon als Kind sehr gern. Damals konnte ich – wie viele andere Kinder auch – gar nicht genug davon bekommen. Irgendwann verfiel mein Appetit nach gerösteten Erdäpfeln in einen mehrjährigen Dornröschenschlaf.

Wachgeküsst haben mich dann belgische Fritten. Es war Liebe auf den ersten Biss. Man kann sich das wie den ersten Kuss vorstellen. Den vergisst man auch nie. Allein der Gedanke daran lässt einen warm ums Herz werden. Mit belgischen Fritten ist das ganz genauso. Zumal man sich die ja auch „zu Munde“ führt 🙂

Ja… andere Fritten sind teilweise auch ganz ok (mehr dazu später). Belgische Fritten sind jedoch einsame Weltklasse. Die meisten Menschen wissen das nicht. Liegt ganz einfach daran, dass es belgische Fritten nur in Belgien gibt. Die kann man nicht exportieren. Man muss sie in Belgien gegessen haben, um überhaupt mitreden zu können.

Um den Zweiflern gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen…. Das Oktoberfest gibt es auch nur wirklich in München. Klar es wird viel kopiert. Aber… das Original mit dem echten authentischen Erlebnis gibt es eben nur auf der Theresienwiese. Alles andere ist Abklatsch, der stets redlich bemüht ist, an das echte Oktoberfest heranzukommen. Im Fussball ist es nicht anders… es gibt eben nur einen Rudi Völler.

Das Besondere an belgischen Fritten:

Es fängt schon bei der Zubereitung an. Die Kartoffeln für die besten belgischen Fritten werden auch im 21. Jahrhundert noch von Hand geschlachtet. Der Prozess findet Vorort, kurz bevor die Kartoffel in die erste Fritierstufe gegeben werden, statt. Frischer gehts nicht.

Die zweite Fritierstufe erfolgt erst, wenn ein Kunde die Frituur betritt und seine Bestellung aufgegeben hat. Da wird nix auf Halde produziert und dann einfach abverkauft. Man bekommt frische Fritten und kann bei der Zubereitung zuschauen.

Gut, das machen die Holländer im Prinzip genauso… Sie bekommen damit auch ganz anständige Fritten hin. Für Weltklasse reicht es indes nicht.

So wie ein Porsche nur mit den richtigen Reifen Weltklasse-Zeiten erzielt, so brauchen Fritten für das ultimative Geschmackserlebnis die richtige Soße. Klar geht auch mal ohne. Im Idealfall passt jedoch der Reifen zur Rennstrecke und die Fritten-Soße eben zur aktuellen Stimmungs- bzw. Genusslage.

In diesem Kapitel trumpfen belgische Frituuren unangefochten auf. Wo andere vielleicht mal 5 Soßen im Programm haben, sind es in Belgien schnell mal 20 Soßen, die da zur Auswahl stehen. Damit ist im Prinzip garantiert, dass die Fritten immer ein Hochgenuss sind. Durch die Auswahl an Soßen wird es nie langweilig.

Es gibt jedoch noch ein paar weitere Besonderheiten:

1. Belgische Fritten sind „Hauptgericht“ und nicht einfach nur Beilage

Genau das ist der Punkt, warum fast alle anderen Länder nur mittelprächtige Pommes hinbekommen. Sie werden halt nur dazu gelegt. Das Hauptaugenmerk des Kochs liegt woanders. In Deutschland geht es bspw. eher um die Currywurst. Die muss gut sein. Alles andere ist nur wie der Lack aufm Porsche (d.h. nice to have… aber eher nebensächlich).

In Belgien geht’s direkt um die Pommes. Die müssen stimmen. Dort redet fast niemand über die Fleeskroketjes, die man zu den Pommes dazu kaufen kann. In manchen belgischen Städten gibt es für die Pommes sogar einen Gourmet-Ratgeber. Das heizt natürlich den Wettbewerb an.

2. Belgische Fritten sind wie eine Jeans

Eine Jeans kann man mit fast allen Stilrichtungen kombinieren. Sie passt zum schlabbrigen T-Shirt genauso gut, wie zum Sakko. Mit belgischen Fritten ist das ähnlich.

Ob zu Muscheln, Rumpsteak, Gemüseauflauf, ob Frituur um die Ecke oder Edelrestaurant… belgische Fritten geben immer eine gute Figur ab. Ok… sie passen vielleicht nicht so gut zu Eiscreme… aber wer würde schon eine Jeans mit einem Ballet-Kleid kombinieren…?

3. Come to where the flavor is

Nüchtern betrachtet sind belgische Fritten nur ein Nahrungsmittel. Mit 1,5 Promille im Blut sieht die Welt jedoch ganz anders aus. Denn… wer nach den üblichen studentischen Trinkgelagen „erste Hilfe“ braucht, der freut sich u.a. auf die Fritten von Marianne auf dem alten Markt in Leuven (Belgien).

Fritten sind in Belgien nicht einfach nur Nahrungsmittel, das man in sich hineinschlingt. Fritten sind in Belgien ein Teil der Kultur und des Soziallebens. Man geht nicht in irgendeine Frituur, sondern wählt die seines Vertrauens. Der bleibt man dann auch treu. Geht ein wenig in Richtung „Stammkneipe“. Nur dort fühlt man sich richtig wohl und kann die Gründe dafür oftmals gar nicht benennen.

Wie oben bereits erwähnt, war Mariannes Frituur die meines Vertrauens. Die Dame war in Leuven eine Institution. Jeder kannte sie. Ob jung oder alt, die Leute liebten sie. Wahrscheinlich hätte sie auch mittelprächtige Fritten verkaufen können… aber ihr war es bis ins kleinste Detail wichtig, dass sie die besten macht. Fritten waren ihr Leben. Zu diesem Leben gehörte es auch, dass sie praktisch jedermanns Oma war. Die Fritten sind in einer guten belgischen Frituur wie ein Verbindungsglied zwischen den Menschen. Eine soziale Komponente eben.

Klar war für mich Mariannes Frituur die beste. Allerdings habe ich in vielen anderen belgischen Städten ähnliche Kaliber gefunden. Die beschriebene Fritten-Kultur gibt es also nicht nur in Leuven, sondern im ganzen Land.

Wie sieht es mit anderen Fritten aus?

Pommes sind ja auch in anderen Ländern irgendwie ok. Gute Pommes sind wie gute alte Freunde. Man umarmt sie gern und innig, wenn man sich lange Zeit nicht gesehen hat.

Belgische Pommes kann man auch umarmen. Aber eigentlich man will sie sofort leidenschaftlich küssen 🙂

Holländische Pommes (in Holland) kommen schon nah an die belgischen heran, auch wenn das Erlebnis dort nicht ganz so innig ist. Über die Pommeskulturen aller anderen Länder braucht man gar nicht zu reden. Die sind so weit abgeschlagen, dass sie vernachlässigbar sind.

Goldene Liebe:

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