Welche Grenzerfahrung hast Du auf Deinen Reisen gemacht?

|
Startseite » Reisen » Erlebnisse » Welche Grenzerfahrung hast Du auf Deinen Reisen gemacht?

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen… pflegte meine Oma zu sagen. Lange Zeit wusste ich nicht, was sie damit eigentlich meinte. Aber… je exotischer meine Reiseziele wurden, desto mehr verstand ich es.

Meinen ersten Tod hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt

Zusammengekauert lag ich in meinem Bett. Um mich herum hörte ich die Engel singen. Sehen konnte ich sie nicht. Voller Verzweiflung bettelte ich sie an:

Nehmt mich endlich mit. Bereitet dem Ganzen endlich ein Ende!

Meine Schmerzen waren nicht mehr zum Aushalten. Es war, als hätte man mir ein Schwert in den Unterleib gerammt und würde nun mit dem Genuss eines Sadisten damit in mir herumspielen. Ich biss die Zähne zusammen und versuchte gegen die unerträglichen Schmerzen und die wiederholten Krämpfe anzukämpfen.

Unzählige Male war ich bereits zur Toilette und hatte gefühlt 5l Flüssigkeit verloren. Ein letztes Aufbäumen, ein letzter Gang zur Toilette. Nach all dem Durchfall nun ein endloses Übergeben. Ich war leer… körperlich wie psychisch, einfach unendlich leer.

Am Nachmittag des nächsten Tages wachte ich auf. Es funkte durch mein Gehirn:

Lars! Cola und etwas Salziges kaufen!

Mehr war da nicht. Wie ferngesteuert erledigte ich meine Aufgabe, nahm Cola und Chips zu mir und verfiel ins nächste Delirium. Tag zuende.

Neuer Tag, neues Glück. Ich brauchte Geld. Meine letzten lebenserhaltenden Systeme schleppten mich irgendwie zu einem Geldautomaten. Dort wartete dann ein Engel auf mich. Diesmal konnte ich den Engel nicht nur hören, sondern auch sehen. Der Engel hatte eine menschliche Gestalt in Form einer liebevollen Schweizerin.

Mein Elend muss wohl sehr offensichtlich gewesen sein. Sie steuerte auf mich zu und kümmerte sich von da an um mich, als wäre sie meine Schwester. Keine Ahnung, wie sie das gemacht hat. Aber drei Tage später hatte sie mich so weit aufgepäppelt, dass ich wieder am normalen Leben teilnehmen konnte.

Hätte nie gedacht, dass eine Lebensmittelvergiftung derart tragisch sein kann.

Gestern stand ich vor dem Abgrund, heute bin ich einen halben Schritt weiter

Über 50 km lang nur bergab zu fahren, das klang äußerst verlockend. Natürlich werden solche Abenteuer von den Tour-Veranstaltern in der Regel reißerisch vermarktet. Die Strecke, die ich herunter fahren wollte hieß: Death Road

Ja, es war tatsächlich mal die gefährlichste Straße der Welt. Denn als diese noch in Betrieb war, starben dort jährlich mehrere hundert Menschen. Allerdings kamen die bei Busunfällen ums Leben. Ich wollte da ja mit ’nem Mountainbike runter. Das ist natürlich ganz was anderes… dachte ich.

Ich würde nicht behaupten wollen, dass ich leichtsinnig war. Denn vor Antritt der Tour suchte ich mir einen seriösen Veranstalter und überzeugte mich von der Qualität des Equipments. Das Full-Suspension-Mountainbike mit Scheibenbremsen hatte mich durch und durch überzeugt.

Allerdings war mir nicht bewusst, wie sprichwörtlich „geil“ sich so ein Geschwindigkeitsrausch nahe am Abgrund anfühlt. Und ich eh ich mich versah, war ich viel zu schnell, geriet in ein riesiges Schlagloch, überschlug mich und landete nur eine handbreit neben dem 700m tiefen Abgrund. Uuiuiuiui…

Nur ein Kratzer… dachte ich. Schließlich schmerzte nichts. Komisch war nur, dass ich meinen rechten Arm nicht mehr bewegen konnte. Der hing an meinem Körper wie der berühmte nasse Sandsack. Nun ja… Krone gerade gerückt, Rad aufgehoben und mit der linken Hand die rechte Hand auf den Lenker gelegt. Weiter gehts…

Diesmal konnte ich die Engel weder hören noch sehen. Aber irgendwie sorgten sie 10min später dafür, dass mein rechter Arm auf einmal erbärmlich schmerzte, dafür aber inklusive der Hand wieder bewegbar war.

Puh… nochmal Glück gehabt.

Crash Boom Bang

Ich fliege für mein Leben gern. Entsprechend groß war die Freude über die durchaus bezahlbaren Paragliding Kurse, die es in Peru und Kolumbien gab.

Ungefährlich ist diese Sportart natürlich nicht. Deswegen trägt man ja einen Helm und hat einen Lehrer, der immer ein Auge auf einen hat und entsprechende Anweisungen rechtzeitig per Funk durchfunkt.

Bruchlandungen – die gehören irgendwie dazu – sind dann nur halb so schlimm. Dank der Anweisungen weiß man, was zu tun ist und behält einen kühlen Kopf. Erst am Boden macht man sich dann in die Hose… also wenn der Adrenalinspiegel wieder runter geht. Ist fast so, als würde das Adrenalin über den Urin ausgeschieden werden.

In Lima hatte ich mal Pech. Da war zwischen mir und meinem Lehrer ein Hochhaus. Er konnte mich nicht sehen. Ich indes wunderte mich, warum ich immer mehr an Höhe verlor und in das in die Steilküste gebaute Einkaufzentrum Larcomar zu stürzen drohte. Glücklicherweise gab es kurz vorher nochmal Aufwind. Ich gewann wieder an Höhe und war gerettet.

Aber… wie das mit Unfällen oftmals so ist… sie kündigen sich durch kleine Zwischenfälle.

Der richtige Knall sollte noch ein paar Wochen auf sich warten lassen. Diesmal war ich in Kolumbien. Das Gelände war wesentlich weitläufiger. Es gab zig Notlandplätze, ja eigentlich schien es außer der Hochspannungsleitung kurz vor dem Landeplateau keine Gefahren zu geben. Eigentlich….

Es war ein fast idealer Vormittag. Mit meinem Paraglider hinter mir rannte ich auf den Abgrund zu und hebte just in dem Moment ab, in dem ich ohne Schirm heruntergefallen wäre. Fühlte sich übrigens großartig an, wenn man wie von einer unsichtbaren Hand sanft in die Luft gehoben wird.

Ich steuerte ein paar Adler an. Denn wo die sind, da gibt es Aufwinde. Genau die braucht man fürs Paragliden. Ohne diese gehts nach untern. Mitunter schneller als einem lieb ist.

Nun… ich hatte mich verschätzt. Dei Adler würde ich nicht mehr erreichen. Alles nicht so schlimm. Gab ja einen Notlandeplatz in der Nähe. Den steuerte ich an. Meine Landeklappen hatte ich gedanklich schon ausgefahren. Fahrwerk war auch schon ausgefahren. Dazu musste ich nur aus meinem Sitz rutschen und die Beine leicht angewinkelt ausstrecken.

Mein Lehrer hatte eine andere Sicht der Dinge. Klar… er stand ja auch 600m über mir auf dem Startplateau und hatte damit eine ganze andere Perspektive. Ich hatte die Wahl: Auf ihn hören oder mein Manöver fortsetzen.

Ich entschied mich, den Anweisungen meines Lehrers zu folgen und eine 180 Kurve zu fliegen. Kaum hatte ich diese absolviert, tauchte vor mir eine Felswand auf. In die knallte ich dann hinein.

Das war mit Abstand mein traumatisches Reiseerlebnis. Ich dachte in dem Moment wirklich: Jetzt ist es vorbei.

In the Line of Fire

Von Ecuador aus sollte es nach Kolumbien gehen. Es galt unbedingt vor Einbruch der Dunkelheit im Hotel in Kolumbien anzukommen. Denn das Grenzgebiet war dafür berüchtigt, alles andere als sicher zu sein.

Ich buchte mir einen Bus, der mich früher als erforderlich zur Grenze bringen sollte. Mit Verspätungen muss man in Südamerika immer rechnen. An der Grenze angekommen war es tatsächlich noch hell. Die Grenzer schienen allerdings schon zu schlafen.

Eine Stunde nach Sonnenuntergang war ich dann endlich in Kolumbien. Oooh je. Ein Bus für die Weiterreise war gefunden. Wirkte alles noch recht sicher. Ging dann auch zügig weiter. Allerdings beunruhigten mich die mit Maschinengewehren versehenen Pickups an jedem Ortsein- und Ausgang doch ein wenig.

Im Hotel erklärte man mir, dass es aufgrund des bevorstehenden Nationalfeiertags gerade besondere Sicherheitsvorkehrungen gibt. Um das ganze Militär bräuchte ich mir keine Sorgen zu machen, sondern könne auf der Parade tolle Bilder machen.

Fand ich klasse. Zudem wollte ich eh mal wieder mein tolles 300mm Objektiv ausprobieren. Mit Gegenlichtblende war das ca. 40cm lang. Nicht unbedingt die beste Idee.

Ja… fotografieren durfte ich. Die Soldaten am Boden freuten sich sogar sehr über ihren Gast aus Deutschland. Ging fast zu wie auf einer riesigen Familienfeier. Wären all die Waffen nicht gewesen, hätte man es für eine Love Parade halten können.

Ja… und als ich dann so nach dem nächsten Motiv suchte, bekam ich das zu sehen, was ich eigentlich nicht sehen wollte.

Ein Scharfschütze auf dem Dach, der mich direkt ins Visier nahm. Sah dann ungefähr so aus:

Hat sich nicht wirklich gut angefühlt. In Zeitlupe habe ich für ihn gut sichtbar mein langes Objektiv abgeschraubt und wieder ein kurzes aufgesetzt.

Der Anblick einer schönen Frau ließ mich dann wieder zur Ruhe kommen:

0 0 votes
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
0
Wir freuen uns über Dein Feedback.x