Welche schädlichen Ideen werden Kindern immer noch beigebracht?

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Jenny ist ein fünf Jahre altes Mädchen. Sie sieht einen Mann in einem Rollstuhl, der eigenhändig durch einen Park fährt. Jenny schaut zu ihrem Vater hoch und fragt ihn: „Papa, warum sitzt der Mann da drüben in so einem komischen Stuhl?“ Jennys Vater antwortet:“Na, na Jenny… So etwas zu fragen ist sehr unanständig. Kümmere Dich besser um Deine eigenen Dinge“

Jenny ist nun 10 Jahre alt. Sie sieht an der Schule eine neu hinzu gekommene Mitschülerin. Dieses Mädchen hat eine Armprothese. Sie kommt damit noch nicht so gut zurecht und kann damit nicht alle von ihre gewünschten Dinge tun. Jenny sitzt ein paar Meter von diesem Mädchen weg.

Sie meidet jeglichen Kontakt und schaut das Mädchen nicht weiter an. Jenny erinnert sich an den Mann im Rollstuhl und an die Bemerkung ihres Vaters, dass es unhöglich ist, Menschen auf ihre Behinderung anzusprechen.

Jenny ist nun 16. Sie sitzt in der Schulkantine zum Mittagessen. Sie sieht einen Jungen in einem Rollstuhl. Als sie an seinem Tisch vorbei geht, schubst sie sein Essenstablett vom Tisch und sagt: „uuuuupsiiiiie“.

Sie geht weiter, so als wäre nichts gewesen. Aus anfänglichem Vermeiden / Ausweichen wurde Befremden. Aus dem Befremden wiederum hat sich Abneigung entwickelt. Und die Abneigung hat sich schließlich in Hass gewandelt.

Es ist nicht gut, seinen Kindern beizubringen, behinderte Menschen zu meiden. Das sorgt nur dafür, dass Behinderungen auf sie befremdlich wirken. Das wiederum sorgt dafür, dass die Kinder solche Menschen nicht verstehen werden und diese ihnen daher fremd bleiben. Fremdheit löst bei uns mitunter Unbehangen und Ängste aus.

Diese wiederum haben das Potenzial sich über die Zeit in Hass zu verwandeln. Wenn wir unsere Kinder über Behinderungen aufklären würden und sie ermutigen, auf behinderte Menschen zuzugehen, dann würde dies höchstwahrscheinlich dazu führen, dass sie andere Kinder nicht (nur weil sie anders sind) einfach so mobben würden.

Lila ist ein 5 Jahre altes Mädchen. Sie sieht einen Mann im Rollstuhl durch den Park fahren. Sie dreht sich zu ihrer Mutter um und fragt: „Mama, warum sitzt der Mann da in so einem lustigen Stuhl?“. Ihre Mutter schaut sie lächelnd an und sagt:“Warum gehst Du nicht einfach zu dem Mann und fragst ihn?“.

Lila läuft zu dem Mann im Rollstuhl und fragt:“Entschuldigen Sie bitte, warum sitzen Sie in einem so lustigen Stuhl?“. Der Mann lächelt sie an und erzählt ihr seine Geschichte. Lila findet dies faszinierend, bedankt sich bei dem Mann und läuft wieder zu ihrer Mutter zurück.

Anmerkung:

Es handelt sich hier nur um ein Beispiel. Es gibt durchaus Menschen mit Behinderungen, die nicht darauf angesprochen werden wollen. Man sollte natürlich immer vorsichtig sein, wenn man sein junges Kind mit einem Fremden sprechen lässt. Wenn man sich unwohl fühlt, kann man seinem Kind die Hintergründe der Behinderung ja auch einfach selber erklären.

Lila ist nun 10 Jahre alt. Als ein neues Mädchen mit einer Armprothese ins Klassenzimmer kommt, setzt Lila sich neben sie und hilft ihr. Das neue Mädchen freut sich, eine neue Freundin gefunden zu haben.

Lila ist jetzt 16. Sie sieht, wie Jenny das Tablett des im Rollstuhl sitzenden Jungens heruntergestoßen hat. Sie läuft zu ihm herüber und hilft ihm, die Sachen aufzuheben. Danach bietet sie ihm etwas von ihrem eigenen Essen an.

Die beiden unterhalten sich und Lila erfährt von ihm, wie oft er von anderen gemobbt wird. Lila sagt zu ihm: „Wir sind jetzt Freunde“. Als sie das sagt, erinnert sie sich an damals, als sie den Mann im Park nach seinem Rollstuhl gefragt hat.

Fazit:

Ermutige Deine Kinder neugierig zu sein und Fragen zu stellen. Menschem mit Behinderungen sind nun wirklich nicht etwas, vor dem man Angst haben müsste. Eigentlich sollte man solche Leute feier. Sie sind genauso einzigartig und soviel wert, wie jedere andere Mensch auch (und müssen sich mit ihrem Handicap durchs Leben schlagen). Trage dazu bei, eine von Liebe und Toleranz geprägt Gesellschaft aufzubauen. Hass und Angst braucht keiner…

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