Wie wird man zu einem außergewöhnlich guten Fotograf?

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Übung macht bekanntlich den Meister. Ohne Übung gehts‘ nicht. Klar… Talent mag helfen, den Prozess zu beschleunigen. Allerdings gibt es wohl niemanden, der mit einer wundersamen Gabe zur Welt kommt und die auch gleich richtig einzusetzen weiß. Selbst Comic-Superhelden müssen meistens erst einmal lernen, ihre Kräfte richtig einzusetzen.

Übung ist nicht gleich Übung. Oder… viel hilft nicht unbedingt viel. Wer als Sprinter immer nur die Beine trainiert, stagniert irgendwann. Weltklasse Läufer trainieren ihren gesamten Körper, perfektionieren ihre Technik und arbeiten an ihrem Geist (Mentaltraining).

Hier nun als meine Empfehlungen, wie man als Anfänger seine Fotokünste verbessern kann. Eine Anleitung für ein geschmeidiges Training sozusagen 🙂

1. Fang mit einer gebrauchten bzw. günstigen Kamera an

Ja, die Werbung redet uns ein, dass wir viele Megapixel, hohe ISO-Werte und möglichst viele AF-Kreuzsensoren brauchen. Hält dazu noch ein anerkannter Fotoprofi so ein Modell in der Hand, schenken wir dem ganzen gern Glauben.

Was die wenigsten wissen… ein Profi bekommt auch mit billigen Kameras gute Fotos hin (und ja mit einer Profikamera sogar noch etwas bessere). Apple hat mal damit kokettiert und riesige, mit einem iPhone geschossene Bilder im Hamburger Hauptbahnhof aufgehängt (sahen wirklich grandios aus).

Folgende Anekdote fällt mir dazu ein:

Amateur: Woooow Hammer Foto. Mit welcher Kamera hast Du das gemacht?

Profi: Echt gelungenes Foto. Wie hast Du das hinbekommen?

Die meisten Anfänger wissen meist eh noch nicht, wo es sie hintreiben wird und welche Kamera sie wirklich einmal brauchen werden. Der Nachteil bei einer teuren Kamera ist, dass man sich auf deren Technik verlässt und dabei zu leichtfertig die eigentlichen Grundlagen der Fotografie überspringt bzw. auslässt.

Dann kommt auch noch dazu, dass eine Profi-DSLR sehr viele Einstellungsmöglichkeiten hat. Wenn man die Grundlagen nicht kennt, weiß man nicht, was man wie einstellen muss. Schnell ist man überfordert und gibt irgendwann auf oder stagniert.

Besser ist es, man kauft sich eine einfache Kamera und lernt mit dieser erst einmal das Gehen. Mit Musikinstrumenten macht man es ja auch nicht anders. Kaum jemand wird seine ersten Geigenstunden auf einer Stradivari absolvieren…

2. Die Magie liegt in der gezielten Übung

Klar kann man einfach los fotografieren. Macht man das lange genug, wird man auch irgendwie besser werden. Aber ist das wirklich optimal und wünschenswert?

Nein…

In der Kunst ist es üblicherweise so, dass man erst einmal von den Meistern lernt. Klingt toll, nicht wahr? 🙂 Letztlich ist dieses „Lernen“ nichts anderes als Kopieren und Abkupfern. Klingt nicht so toll, hat sich aber über die letzten tausenden von Jahren ganz gut bewährt.

Nehmen wir an Du magst Landschaftsfotografie. Der erste Schritt besteht dann darin, nach Bildern zu suchen, die Dir in diesem Genre ganz gut gefallen. Dann machst Du Dich auf den Weg und versuchst das auch hinzubekommen.

Anfangs wirst Du viel Frust haben, weil Deine Bilder bei weitem nicht an die Meisterwerke herankommen. Aber… nach und nach schaust Du Dir die Bilder genauer an. Dann liest Du Dir vielleicht auch noch ein paar Bücher von Fotografen in diesem Genre durch. Du lernst etwas über Bildaufbau, über das Licht, über Brennweiten usw.. Das probierst Du alles nach und nach aus und bemerkst irgendwann, dass Du mit Deinen Bildern Deinem Ideal durchaus näher gekommen bist.

Irgendwann stellst Du fest, dass es nicht die Kamera allein ist, die das Bild macht. Du fängst an Dich mit Bildbearbeitung zu beschäftigten. Du kaufst Dir vielleicht einen Polfilter und ein Stativ. Irgendwann stellst Du sogar fest, dass es auf den richtigen Zeitpunkt und Standpunkt ankommt.

Du lernst Deine Kamera immer besser kennen. Du weißt, wo so ihre Schwachpunkte hat und wie Du sie einstellen musst, um von Dir gewünschte Ergebnisse zu erzielen. Sie wird Dir ein treuer und vertrauter Begleiter.

Je besser Deine Bilder werden, desto unwichtiger wird Deine Kamera für Dich im Gesamtgefüge.

3. Wie gut bist Du wirklich?

Klar Mama findet Deine Bilder super. Bist schließlich ihr Kind und sie ist stolz auf Dich. Aber… wie gut bist Du wirklich? Wo kannst Du noch besser werden?

Um das herauszufinden, musst Du Dich dem Wettbewerb stellen.

Es gibt im Netz zahlreiche Foto-Communities auf denen man sich mit anderen „messen“ kann. Es geht gar nicht mal so sehr darum, der „beste“ sein zu müssen. Sondern es geht eher darum, ein Gespür davon zu bekommen, welche Bilder ankommen und was andere vielleicht noch ein Ticken besser machen als man selbst.

Ein weitere Anreizpunkt ist, dass man sich auf solchen Plattformen relativ einfach eine Fangemeinde aufbauen kann. Fühlt sich nicht nur toll an, sondern verpflichtet auch. Genau darum gehts‘. Wer bestrebt ist, seinen Fans immer bessere Bilder zu liefern, der wird sich natürlich auch in seinem Handwerk verbessern.

4. Warum Fotografen mit miesen Fotos grandiosen Erfolg haben

Was soll Bitteschön denn an diesem Foto so toll sein? Warum hat es 1,2 Millionen Likes? Warum hat dieser mittelmäßige Fotograf 35 Millionen Fans?

Was hat er, was ich nicht habe? 🙂

Bei manchen Dingen fällt es einem wirklich schwer, sie zu verstehen. Aber… manchmal liegt es auf der Hand, dass der Erfolg eines Fotografen nicht an seinen Fotos (allein) begründet ist.

Komisch….?

Nein!!!

Gibt schließlich auch genug sehr erfolgreiche Pop-Musiker, die kaum singen können. Sie liefern halt eine tolle Show ab und versorgen die Presse mit Skandalen (um mal ein paar Stereotype heraus zu kramen).

Oftmals ist es auch einfach nur so, dass jemand erfolgreich ist, weil er erfolgreich ist. Klingt wie ein Widerspruch.. aber man schaue sich einfach mal Kim Kardashian an. Sie hat es in der Anfangsphase von Instagram geschafft, sich viele Follower aufzubauen. Irgendwann wurde das nicht nur zum Selbstläufer, sondern hat sich auch noch zu einem globalen Phänomen entwickelt.

Coca Cola hat es im übrigen auch nicht so viel anders gemacht. Die Limo gibt es fast überall zu kaufen. Aber liegt der Grund daran, dass sie die bestschmeckenste Limonade der Welt ist…? Vermutlich nein.

Wenn Du als ruhmreicher Fotograf werden willst… dann sind viele Aspekte außerhalb der Fotografie höchstwahrscheinlich wesentlich wichtiger als Deine Kunst selbst.

5. Der Weg zu außergewöhnlichen Fotos

Außergewöhnlich ist per Definition genau das, was gewöhnlich nicht vorkommt.

Schlechte Fotos, bei denen sich der Fotograf keine Gedanken gemacht hat, gibt es wie Sand am Meer. Gute Fotos gibt es ebenfalls in Hülle und Fülle. Das liegt v.a. daran, dass dank der Smartphones Myriaden von Fotos gemacht werden. Darunter sind natürlich auch immer ein paar gute, die man gerne zeigt.

Außergewöhnliche Fotos indes… die sind selten.

Wer Außergewöhnliches erreichen will, muss Außergewöhnliches tun.. denkt sich manch einer und klettert mal eben auf den Rohbau eines Wolkenkratzers.

Ist ein sicherer und zum Erfolg führender Weg. Eine andere Möglichkeit besteht darin, in seinem Genre voll aufzugehen und sich diesem über Jahre zu widmen. Damit wird man zum Meister des feinen Pinselstrichs und hat genau jene Details bzw. Finessen in seinen Bildern, die andere noch nicht erreicht haben.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, mit seinen Bildern Geschichten zu erzählen. Es heißt ja oft: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.

Wer an diesen Punkt gelangen will, der wird lernen müssen, sich jenseits der Kameratechnik zu bewegen. Was uns Menschen wirklich erfasst, dass sind Emotionen und Stimmungslagen. Klar kann man die mit einem Stück Technik in der Hand bzw. einem Apparat einfangen.

Das gelingt aber auch nur dann wirklich gut, wenn der Fotograf selbst diese Stimmung verinnerlicht hat. Ja… wenn er selbst Teil des Fotos ist, obwohl er hinter der Kamera steht. Die Kamera ist dann nur eine Verlängerung seines Auges. Er bildet mit seinem Werkzeug das ab, was er gerade selbst in seinem Kopf hat und empfindet.

Im Prinzip sind solche Fotos ein Selbstporträt der Innenwelt des Fotografen. Genau das macht solche Bilder so einzigartig. Sie tragen eine unverkennbare Handschrift, die gerne auch als Stil bezeichnet wird. Ähnlich wie bei einem Blues-Gitarrist, der sein eigenes Leid so geschmeidig in die Saiten einarbeitet, dass man einfach nur ergriffen ist.

Wer in diesen Bereich der Fotografie eintauchen will, den kann ich Bruce Gilden als Geheimtipp nennen. Er macht um seine eigene Story kein Hehl, denn sie erlaubt ihm erst, überhaupt solche Fotos machen zu können:

6. Bonustipp: Wie man als Meister wahrgenommen wird

Dieser Tipp folgt mit Absicht erst zum Schluss. Hier geht es nicht um Fake it till you make it, sondern darum sich bestmöglich zu präsentieren.

Früher oder später wird jedem das eine oder andere gute bis sehr gute Foto gelingen. Auf Social Media kann man ja abtasten, was in welcher Zielgruppe ankommt.

Und nun zum Trick…

Viele Fotografen werden wegen ihrer tollen Bilder bewundert. Schlechte Bilder scheinen sie erst gar nicht zu machen. FALSCH!

Gute Fotografen machen jede Menge schlechter Bilder. Selbst Bruce Gilden gibt öffentlich zu, dass er manchmal 1.000 Bilder braucht, um ein gutes zu bekommen.

Sein Trick…?

Er zeigt nur die guten Fotos. Ja, so einfach kann es sein 🙂

Einfach eine neue Webseite oder Account aufmachen und dort nur die eigenen Meisterwerke zeigen. Klar, die muss man sich auch erst erarbeiten,. Aber… wenn man die dann mal hat, darf man auch mal auf die Kacke hauen. Der Weg dahin wird lang genug gewesen sein.

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