Woran erkennt man, dass sich eine Person als Führungskraft eignet?

Ich würde glatt behaupten wollen, dass diese Frage sich nicht pauschal beantworten lässt. Den Archetyp einer „Führungsperson“ gibt es ebenso wenig, wie es DEN einen (richtigen) Führungsstil gibt.

Je nach Industrie, Land und Kultur, geht es mal kooperativer (auf Augenhöhe) und mal hierarchischer (Autorität) daher. Auch die eigentlichen (Kern-) Aufgaben einer Führungskraft können durchaus unterschiedlich ausfallen, wie etwa:

  • Manchmal reicht es schon, wenn ein Chef seinem Team den Rücken freihält und es (von außen) ungestört arbeiten kann.
  • Andere Male ist der Typ „Integrator“ gefragt, der vor allem zerrütteten Teams aka Einzelkämpfer dabei hilft, wieder in die gleiche Richtung zu rudern.
  • In Krisenzeiten braucht man oftmals den „knallharten“ Sanierer, der gnadenlos Ordnung schafft und damit den Karren wieder aus dem Dreck zieht.
  • In Teams mit jungen Leuten wird oftmals eine Leitfigur benötigt, die mit guten Beispiel vorangeht und einen gewissen Werterahmen schafft.
  • Je nach Branche kann auch eine Führungskraft vom Typ „Visionär“ benötigt werden. Dessen Aufgabe ist es an, das Team für seine Vision zu begeistern und sie nach Möglichkeit emotional dabei mitzunehmen.

Es gibt sicherlich noch zahlreiche weitere Führungstypen. Kein Mensch wird allen Anforderungen gerecht werden können. Inwiefern man sich als Führungskraft eignet, hängt stark davon ab, was tatsächlich gerade benötigt wird und wie viel man davon mitbringt.

Die Frage möchte ich nicht völlig unbeantwortet lassen. Es gibt durchaus ein paar Punkte, an denen man erkennen kann, dass eine Führungsposition für einen nichts ist.

Die bitteren Pillen, die viele Führungskräfte schlucken müssen:

Für alle Fehler des Teams verantwortlich sein

Wenn das Team nicht so funktioniert, wie es soll, sucht man die Schuld beim „Trainer“. Ist völlig egal, ob er die Schuld trägt oder nicht. Er wird verantwortlich gemacht und muss oft schnell die Konsequenzen tragen (siehe Fußball).

Unangenehme Entscheidungen treffen müssen

 „Herr Müller wir müssen Personal abbauen. Nennen Sie mir bitte bis nächste Woche drei Namen aus ihrem Team.“ Unverhofft kommt oft. Heute noch volle Auftragsbücher, morgen kurz vor der Insolvenz.

Die Finanz- und Corona-Krise zeigt deutlich, was im Bereich des Undenkbaren möglich ist. In ganz üblen Fällen werden sogar Leute gefeuert, weil deren Nase einem Geschäftsführer nicht passt (ist dumm und schäbig… aber passiert).

Tritte von oben und unten bekommen

Das Team ist nicht zufrieden, weil es die Vorgaben von oben als zu streng empfinden. „Die da oben“ sind nicht zufrieden, weil alles zu langsam voranschreitet.

Der Chef ist mittendrin und kämpft an zwei Fronten gleichzeitig. Wenn es dumm läuft hat er keine verbündete, zumal er in vielen Betrieben vom Betriebsrat eh mit Argusaugen beobachtet wird (egal was er macht).

Einen schlechteren Stundenlohn in Kauf nehmen

Viele Menschen sind der Auffassung, dass der Chef ein Bombengehalt hat. Gerade im mittleren Management ist dies häufig eben nicht der Fall. Ja… er mag ein paar EUR mehr bekommen.

Wenn er Pech hat, wird er außertariflich bezahlt. Klingt erstmal toll, aber…. Überstunden werden auf einmal nicht mehr separat abgegolten und an den Tariferhöhungen nimmt man auch nicht mehr automatisch teil.

Das führt dann oft dazu, dass der Chef einen niedrigeren Stundenlohn als manche seiner Angestellten hat. Fühlt sich mitunter ziemlich sche*ße an, wenn man für alles verantwortlich ist, effektiv aber weniger Geld als vorher bekommt.

Unter ständiger Beobachtung stehen

Das Team erwartet in der Regel Konsistenz von seiner Führungskraft. Soll heißen, Entscheidung sind im besten Fall nachvollziehbar und alle werden nach den gleichen Maßstäben behandelt.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie fein die Antennen eines Teams doch sein können. Dies muss kein schlimmes Kapitel sein. Allerdings sollte man sich schon bewusst sein, dass die Anforderungen an die eigene Person massiv steigen. Die Kunst ist es, selbst bei massiven Druck noch einen halbwegs klaren Kopf zu behalten.

Zu guter Letzt:

Führung kann man lernen. Klar, man muss sich das ganze irgendwie auch zutrauen (siehe obige Punkte). Durchaus hilfreich ist es, wenn man einen Chef hat, der seinen Spaß daran hat, seinen Mitarbeiter als Führungskraft zu entwickeln.

Hat er diese oder eine ähnliche Position selbst schon einmal innegehabt, kann es eine durchaus spannende und tolle Reise werden. Beiderseitig vollstes Vertrauen ist dafür natürlich Grundvoraussetzung.

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